Die protestantische Kirche befand sich in einer völlig anderen Situation als
die katholische Kirche: Traditionell eng mit dem Staat verbunden, hatte sie
viel größere Schwierigkeiten, sich den totalitären
Gleichschaltungsbestrebungen des Nationalsozialismus zu entziehen. Sehr viele
Protestanten waren aktive und überzeugte Nationalsozialisten. Die
nationalsozialistischen "Deutschen Christen" wollten Christentum und
Nationalsozialismus völlig gleichsetzen; demgegenüber beharrte die "Bekennende
Kirche" auf einem unabhängigen "lutherischen Bekenntnis".
Der bayerische Landesbischof Hans Meiser kämpfte vor allem darum, seine
Landeskirche vor der Spaltung und Vereinnahmung durch die "Deutschen Christen"
zu schützen. Ansonsten bewahrte er dem NSRegime seine Loyalität. Den Abriß
der Münchner Matthäuskirche 1938 nahm er ohne nennenswerten Protest hin. Die
Münchner Pastoren gehörten in der Mehrzahl der "Bekennenden Kirche" an, doch
nur wenige kritisierten in Predigten offen die nationalsozialistische
Kirchenpolitik. Grundlegende Anstöße für eine protestantische Opposition auch
gegen die Menschenrechtsverletzungen des Regimes kamen vereinzelt von Laien:
Konsequentester Mahner für eine unabhängige Kirche, die vehement gegen die
Judenverfolgung vorgehen müsse, war der Münchner Bankier und Kirchenvorstand
Wilhelm von Pechmann. Unter Protest trat er 1934 aus der Kirche aus.